Ein paar grundsätzliche Gedanken zu meiner Windspritezucht bzw. meiner Vereinszugehörigkeit

 

Die Vereinslandschaft dieser Rasse ist vielfältig und bunt. Das zeigt bereits die Namensgebung; Je nach Vereinszugehörigkeit heissen unsere Hunde entweder Windsprites/ Langhaarwhippets oder Silken Windsprites, obwohl z.T. sogar mit denselben Elterntieren gezüchtet wurde.  

 

 

In der Schweiz sind es zwei Vereine mit z.Zt. je zwei aktiven Zuchtstätten (Stand Sommer 2017), in Deutschland drei. Daneben gibt es auch Züchter, die sich mit keinem dieser Vereine identifizieren können und deshalb ihren Weg in eigener Verantwortung gehen.

 

  

Sie fragen sich vielleicht, weshalb ich mich keinem dieser Rasseclubs angeschlossen habe?

 

Die Antwort darauf ist sehr einfach: Aufgrund der Zuchtordnung unseres Verbandes durfte ich das nicht.

 

  

Seit vielen Jahren züchte ich in der URCI Amerikanische Shelties und bin in diesem Verband auch aktiv als Zuchtwartin tätig. Genau gleich wie in der FCI ist es in der URCI aber nicht gestattet, verschiedene Rassen in verschiedenen Vereinen zu züchten. Hätte ich mich also entschieden, mich einem Windsprite Rasseclub anzuschliessen, hätte ich meine Sheltiezucht und auch meine Aktivität als Zuchtwartin in der URCI aufgeben müssen. Ganz klar war dies zu keinem Zeitpunkt eine Option für mich.

 

 

Nun hat aber die URCI Windsprites/Langhaarwhippets akzeptiert, obwohl sie nicht FCI anerkannt sind, sodass ich beide Rassen im selben Verband züchten kann.

 

 

 

Über diese Lösung bin ich natürlich alles andere als unglücklich, bietet sie mir doch sehr viele Vorteile:

 

  

Die Vereinszugehörigkeit sagt zwar nicht viel aus über die Qualität einer Zuchtstätte und ist deshalb für Welpeninteressenten eher von untergeordneter Bedeutung. (Wie überall sonst führen auch in der Hundezucht verschiedene Wege zu einem guten Ziel). Für Züchter hingegen ist es wichtig, einen Ort zu haben, wo sie sich gut betreut und aufgehoben wissen, wo ähnliche Ziele verfolgt werden und – ganz wichtig! – wo das menschliche Miteinander stimmt und von Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung geprägt ist. Diesen Ort habe ich in der URCI e.V. gefunden und bin deshalb bereits seit vielen Jahren mit Überzeugung dabei.  Die wichtigsten Gründe sind für mich:

 

  

1. Die URCI e.V. (Union Rasseclub international) ist ein Dachverband von verschiedenen internationalen Vereinen (Deutschland, Schweiz, Frankreich und USA) und feiert dieses Jahr (2017) bereits sein 45 jähriges Bestehen. D.h. in dieser langen Zeit ist er definitiv aus den Kinderkrankheiten herausgewachsen und dementsprechend «Krisen erprobt». So wird Stabilität, Erfahrung und Kontinuität gewährleistet - Werte, die für mich wichtig sind.

 

Auch wurde die URCI e.V. nicht von unzufriedenen Mitgliedern anderer Vereine gegründet und muss deshalb ihre Zielsetzungen nicht aus der Opposition heraus definieren.

 

 

2. Als Dachverband von vielen angeschlossenen Vereinen ist die URCI gross genug, um eine gut funktionierende breite und seriöse Infrastruktur anzubieten:

 

  

-  Das einheitliche - neutral und unabhängig geführte - Zuchtbuchamt für alle angeschlossenen Vereine gewährleistet eine lückenlose Registrierung aller aufgezogenen Welpen – ausschliesslich! - nach erfolgter Wurfabnahme durch ausgebildete und so autorisierte  Zuchtwarte. Es kann also nicht geschehen, dass aus dem gleichen Wurf z.B. die einen Welpen Papiere bekommen und andere nicht. Entweder erfüllt der ganze Wurf die vorausgesetzten Anforderungen oder eben nicht. In der Ahnentafel wird deshalb auch immer die Wurfstärke vermerkt.  Da die Zuchtbuchführerin eigens für ihre Aufgabe angestellt ist und somit als neutrale Person keine eigenen Interessen vertritt, sind sämtlichen «Mauscheleien» Riegel geschoben. Unser Zuchtbuchamt ist zum Glück sehr unbestechlich!

 

  

- Einige der URCI e.V. angeschlossene Vereine sind auch eher klein, sodass -ähnlich wie in einigen Windsprite Rasseclubs – wegen «Personalmangel» Vorstandmitglieder z.T. miteinander verwandt bzw. verheiratet sind oder doppelte Ämter innehaben. Dies ist jedoch eher die Ausnahme, und v.a. sind die einzelnen Vereine ja eingebettet in den übergeordneten Dachverband mit einer einheitlichen, für alle gleichermassen verbindlichen Satzung bzw. Zuchtordnung und ihm gegenüber verantwortlich.  So wird die Autonomie der einzelnen Vereine zwar einerseits gewahrt, anderseits Willkür oder «Vetternwirtschaft» zum vornherein Riegel geschoben.

 

Aus diesem Grund arbeitet die URCI e.V. ausschliesslich mit Vereinen zusammen, die einem Dachverband angehören. Dies betrifft z.B. Anerkennung von Ahnentafeln, erlaubte Verpaarungen und Ausstellungsergebnisse.

 

  

- Die Zuchtordnung ist einheitlich und für alle angeschlossenen Vereine gleichermassen verbindlich.  Änderungen bzw. Ergänzungen des Zuchtreglements werden ausschliesslich an Zuchtwart- Richtertagungen beschlossen, nicht aber an GV`s der einzelnen Vereine. D.h. ausschliesslich für Zuchtfragen ausgebildete Leute sind dazu befugt, nicht aber «normale» Mitglieder, denen ja oft das Interesse oder das nötige Wissen für das Zuchtgeschehen fehlen.

 

Ist die zur Diskussion stehende Thematik sehr komplex, erarbeitet die Genetik Kommission unter Herbeiziehung von Fachleuten vorgängig entsprechende Vorschläge und erläutert sie an der Tagung. 

 

  

- Zuchtwarte und Richter müssen selber Züchter sein und bereits eine gewisse Anzahl Würfe aufgezogen haben, bevor sie die Ausbildung absolvieren können. Die entsprechenden Aus- und Weiterbildungen müssen nicht nur besucht. sondern mit einer schriftlichen und praktischen Prüfung erfolgreich abgeschlossen werden. Angehende Richter müssen ausserdem an einer vorgeschriebenen Anzahl Ausstellungen Anwartschaften leisten, bevor sie selber richten dürfen.

 

Die Teilnahme an der Zuchtwart/ Richtertagung ist für Zuchtwarte und Richter alle zwei Jahre obligatorisch. Diese dient auch der Weiterbildung und der Kontaktpflege.

 

 

Zuchtwarte sind u.a. zuständig für Wurfabnahmen und Zuchttauglichkeitsprüfungen. Sie stehen ausserdem Neuzüchtern beratend zur Seite, falls sie dies wünschen, und sind Ansprechpartner in allen möglichen Zuchtfragen.

 

  

3. In der URCI e.V werden viele verschiedene Rassen gezüchtet. Selbstverständlich ist es wichtig und notwendig, sich mit Züchtern der eigenen Rasse auszutauschen und zusammen zu arbeiten. Dennoch empfinde ich den Blick über den eigenen Tellerrand (bzw. die eigene Rasse) hinaus als bereichernd und weiterführend: z.B.  Probleme, die bei der eigenen Rasse neu auftauchen, sind vielleicht bei anderen Rassen schon länger bekannt, sodass von deren Erfahrungen profitiert werden kann. Gerade für Züchter «junger» Rassen dünkt mich dieser Austausch besonders wertvoll.

 

  

4. Ein besonders wichtiger Punkt ist für mich der «Ehrenkodex» in der Satzung der URCI e.V: Das bedeutet z.B: Unehrenhaftes oder unkameradschaftliches Verhalten gegenüber anderen Züchtern wird als «unsportliches Verhalten» bestraft – bis hin zum Ausschluss aus dem Verband. Die traurige Tatsache ist ja bekannt, dass unter Züchtern oft statt der erwünschten Kooperation und Solidarität Neid und Misstrauen sich breitmachen. In der heutigen Zeit mit den unzähligen Möglichkeiten der sozialen Medien führt dies zuweilen zu sehr grenzwertigen Auswüchsen. Ein Ehrenkodex vermag zumindest den Rahmen eines minimalen Anstandes untereinander abzustecken.

   

Es ist meine tiefste Überzeugung, dass wir als Züchter aufeinander angewiesen sind und voneinander lernen können und müssen. Ausserdem verbindet uns ja auch viel: z.B. die Liebe zur Rasse, Freude und Sorgen bei Geburt und Aufzucht, schlaflose Nächte und und und…..

 

Selbstverständlich fühlt sich jeder mit den einen mehr verbunden als mit anderen, aber auch hier gilt - wie überall sonst auch -: Zwischen weiss und schwarz existieren schier unendlich viele Farbtöne. D.h. Persönliche Antipathien dürfen uns nicht daran hindern, unserem Gegenüber dennoch den ihm zustehenden Respekt und Anstand zu zollen. 

 

 So möchte ich mir stets bewusst bleiben: 1. Es gibt auch in der Hundezucht mehr als einen guten Weg. 2. Züchter haben keinerlei Kontrollfunktionen über andere, denn für Zuwiderhandlungen gegen Tierschutzgesetze oder Zuchtvorschriften sind Veterinärämter oder Vereinsvorstände zuständig. Dies befreit mich davon, bei andern nach «Fehlern» zu suchen und sie anzuprangern. Ich kann meine Zeit und Energie vielmehr auf das eigene Zuchtgeschehen fokussieren, denn nur dort kann ich etwas Positives bewirken. Und wenn ich auch über Vereinsgrenzen hinweg andern Gutes zugestehen kann, zeugt dies überdies von gesundem Selbstbewusstsein (das Eigene wird nicht dadurch «gut», weil alles andere «schlecht» ist, sondern weil es seine Qualität in sich trägt!).

 

  

5. Die URCI e.V. verfügt über Erfahrung im Coaching von jungen, nicht FCI anerkannten Rassen. Sie hat in den letzten Jahren z.B. ganz wesentlich mitgewirkt, Die Bolonka Zucht auf einen guten Weg zu bringen. Selbstverständlich sind Bolonkas und Windsprites ganz verschiedene Hunde, und ihre Entstehungsgeschichte ist auch unterschiedlich. Dennoch haben alle jungen Rassen ähnliche Probleme: Zwei davon seien hier besonders erwähnt:

 

  

a) Junge Rassen verfügen zwangsläufig über einen engen Genpool, d.h. die Tiere sind alle mehr oder weniger miteinander verwandt. Damit eine Rasse jedoch gesund gezüchtet werden kann, muss es ein vordringliches Zuchtziel sein, Massnahmen zu ergreifen, um die genetische Vielfalt zu erweitern bzw. den Genpool zu vergrössern. Dies ist in der Bolonka Zucht durch entsprechende Zuchtstrategien (z.B. Erstellung von Registerpapieren) mittlerweile gelungen, sodass dort das Zuchtbuch nun geschlossen werden konnte.

 

Bei den Windsprites sind wir z.Zt. noch nicht so weit aber immerhin auf einem guten Weg.

 

  

b) Bei jungen Rassen fehlt ein gesundes Gleichgewicht zwischen erfahrenen und Neuzüchtern. Dies ist leicht nachvollziehbar: Junge Rassen üben eine besondere Faszination aus und vermögen so viele zu begeistern – auch Ersthundehalter. Verständlich der Wunsch, mit dem tollen, geliebten Tier auch zu züchten und so beim Aufbau der Rasse mitwirken zu können. Ein breites und seriöses Angebot an Aus- und Weiterbildungen erleichtert den Einstieg in die faszinierende Welt des Züchtens.  Was aber zwangsläufig fehlt, ist die Erfahrung, die immer nur durch «Tun» gewonnen werden kann.

 

  

Als ich damals stolz mein Maturzeugnis mit guten Noten in Händen hielt, war ich zwar bestens gerüstet für das Leben an der Universität, hatte einen breiten Einblick in die Welt des Wissens gewonnen und dabei Lust auf mehr bekommen. Aber da war auch noch z.B. meine Grossmutter, die mich ganz andere Dinge lehrte, die an keiner Schule vermittelt werden können: Sicher auch die hilfreichen Rezepte für «Hausmittelchen», die in der modernen Welt weitgehend verloren gegangen sind, aber v.a. Dinge wie: durchhalten, wenn es schwierig wird, Probleme in einem grösseren Zusammenhang sehen können, gelassen reagieren obwohl man doch am liebsten an die Decke springen möchte usw. Dinge halt, die Menschen, die schon ein paar Schritte weiter gegangen sind im Leben anders sehen können.

 

  

Die Freude am Lernen ist mir geblieben. Ich habe die unzähligen kynologischen Aus- und Weiterbildungen – sei es im Hundesport, als Hundetrainerin, Züchterin oder Zuchtwartin – die ich bis jetzt besucht und erfolgreich abgeschlossen hatte, alle als sehr bereichernd und hilfreich empfunden. Weitere werden sicher folgen!

 

Ebenso wichtig war mir jedoch stets der Kontakt mit «alten» Züchtern, die ihr wunderschönes Hobby jahrzehntelang mit viel Herzblut und Lebenserfahrung, die nur durch so manche Höhen und Tiefen hindurch gewonnen werden kann, ausgeübt hatten. Ich hatte das grosse Glück solche Menschen nahe gekannt zu haben, lange bevor ich einen einzigen Gedanken an eine allfällige eigene Zuchttätigkeit verwendete.  Von ihnen habe ich z.B. gelernt, Prioritäten zu setzen, in grösseren Zusammenhängen zu denken und in schwierigen Situationen gelassen zu bleiben. V.a. aber haben sie mir eine Grundhaltung vorgelebt, für die ich sehr dankbar bin: Sie haben sich nämlich als Züchter immer als privilegierte Menschen verstanden, die sich aufgrund ihrer Lebensumstände und der ihnen zur Verfügung stehenden freien Zeit dieses aufwändige Hobby leisten konnten, das sehr viel Verantwortung gegenüber Hund und Mensch erfordert. Der Gedanke, man könne so quasi nebenher mit ein paar Würfen das Portemonnaie füllen, war ihnen völlig fremd.

 

  

Dank der Rassevielfalt in der URCI e.V. existiert dort auch eine gesunde Durchmischung von erfahrenen und Neuzüchtern. Wer neu dazu kommt und von den Erfahrungen der alten profitieren möchte, hat dazu also viele Gelegenheiten. Auch die Zuchtwarte stehen ihnen auf Wunsch gerne beratend zur Seite.

 

  

 

Wer mehr über die URCI e.V. und die ihr angeschlossenen Vereine erfahren möchte: Hier ist der Link: http://www.urci-ev.de/

 

 

 

                                                                                                                                                      Juli 2017